Wirkprinzipien

 Rückkopplungs-Animation anschauen 

Zyklus ohne Pille

Der Zyklus der Frau dauert im Durchschnitt 28 Tage (Abweichungen von bis zu 4 Tagen sind völlig normal). Sein Ablauf wird von Hormonen gesteuert, die aus der Hirnanhangdrüse freigesetzt werden und die Eireifung und den Eisprung in den Eierstöcken steuern. Dabei haben zwei Hormone unterschiedlicher Wirkung entscheidende Bedeutung:

Das FSH (follikelstimulierendes Hormon), welches die Reifung der Eizellen bewirkt, und das LH (luteinisierendes Hormon), das den Eisprung auslöst. Die Eierstöcke antworten auf die Wirkung der Hormone FSH und LH mit der Produktion und Freisetzung von Estrogen und dem Gestagen Progesteron.

Wichtig ist der Begriff  "Rückkopplung" , der besagt, dass relativ hohe Spiegel von Estrogen und Gestagen die Freisetzung von FSH und LH hemmen, während umgekehrt die niedrigen Spiegel von Estrogen und Gestagen die Hirnanhangdrüse zur vermehrten Produktion von FSH und LH anregen. Dieses Rückkopplungsprinzip ist auch Grundlage für das grundsätzliche Verständnis der Wirksamkeit der Pille.

Die Eierstöcke enthalten bereits zum Zeitpunkt der Geburt die volle Anzahl von 200.000 bis 500.000 unreifen Eizellen. Mit dem Einsetzen des Monatszyklus in der Pubertät erfolgt regelmäßig die Reifung einer solchen Eizelle und des sie umgebenden Follikels.

Ungefähr zur Monatsmitte erfolgt der "Eisprung": Die Eizelle lässt den Follikel im Eierstock zurück (er verwandelt sich zum Gelbkörper). Die Eizelle wird vom beweglichen Ende des Eileiters mit Hilfe feiner Fanghärchen "aufgefangen". Über den Eileiter wird die Eizelle zur Gebärmutter transportiert.

Im Eileiter erfolgt die Befruchtung der Eizelle duch die Samenfäden und der Transport der befruchteten Eizelle bis in die Gebärmutter.

Erfolgt die Befruchtung, finden in der befruchteten Eizelle die ersten Zellteilungen statt, gefolgt von der Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut. Die Schwangerschaft beginnt. Wird die reife Eizelle nicht befruchtet, löst sie sich nach einigen Tagen auf, die Gestagen-Produktion des Gelbkörpers versiegt, und es kommt mit der Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut zur Monatsblutung, der ein neuer Zyklus folgt.

Der Ablauf des Monatszyklus kann anhand verschiedener Merkmale und Messungen verfolgt und beurteilt werden.

Zyklus mit Pille

Die Empfängnisverhütung mit der Pille nutzt für ihre Wirkung das Prinzip der Rückkopplung zwischen Hormonen aus den Eierstöcken (Estrogen, Gestagen) und der Hirnanhangdrüse (FSH, LH).

In kombinierten Pillenpräparaten - den am häufigsten verwendeten Pillen - werden mit jeder Tablette gleichzeitig Estrogen und Gestagen eingenommen. Dadurch wird im Körper schon innerhalb kurzer Zeit (2-3 Tage) ein gleichmäßiger Hormonspiegel aufgebaut, der die Freisetzung von FSH und LH aus der Hirnanhangdrüse und somit die Eireifung bzw. den Eisprung verhindert. Auch die Produktion körpereigenen Estrogens und Gestagens bleibt gedrosselt, dieser "Mangel" wird durch die regelmäßige Zufuhr von Hormonen mit der Pille voll ausgeglichen, so dass es nicht zu hormonmangelbedingten Ausfallerscheinungen kommt.

Dreifachwirkung der Pille

Die Wirkung der kombinierten Pille umfasst nicht nur die dargestellte Hemmung von Eireifung und Eisprung, sondern schließt auch lokale Faktoren ein.

Wir können also von einer "Dreifachwirkung" der Pille ausgehen.

  1. Es findet kein Eisprung statt.

  2. Der Schleimpfropf am Gebährmutterhals bleibt zähflüssig und erschwert das Eindringen von Spermien.

  3. Die Gebärmutterschleimhaut lockert sich nicht auf, so dass eine etwaige Einnistung erschwert wird.